Bild Header Archiv
Logo Eurosolar

10. Stadtwerke-Konferenz in Schwerin

Am 09. und 10. Mai fand die diesjährige EUROSOLAR-Konferenz „Stadtwerke mit Erneuerbaren Energien“ in Schwerin statt. In Kooperation mit der Stadtwerke Schwerin GmbH und der WEMAG AG (WEMAG) organisiert, legte die Konferenz das Augenmerk auf die Rolle von Stadtwerken als zentralem Akteur der Energiewende.

web Foto WEMAG Stephan Rudolph Kramer OO9A2576


Montag, 9. Mai 2016

Eröffnet wurde der erste Konferenztag von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, kurzen Grußworten von Caspar Baumgart (Vorstand d. WEMAG AG), Dr. Josef Wolf (Geschäftsführer der Stadtwerke Schwerin) sowie Tobias Jaletzky, der als Geschäftsführer von EUROSOLAR die über 100 Fachbesucher begrüßte.

Den inhaltlichen Auftakt machte Christian Pegel, Energieminister von Mecklenburg-Vorpommern (MV), mit einem aufschlussreichen Impulsvortrag zum Stand der Energiewende in MV. Er konzentrierte sich dabei besonders auf den Ausbau der Windkraft aber auch auf den Wandel seines Bundeslandes, das bereits heute bilanziell 100 % Erneuerbaren Strom produziert und sich der enormen Chance der Energiewende für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung bewusst ist. Das kürzlich vom Landtag beschlossene Beteiligungsgesetz wurde als maßgeblicher Hebel vorgestellt, um die wachsenden Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung abzubauen. Eine Abwanderung von Investitionen aus MV sei in der jetzigen Form des Gesetzes nicht zu befürchten, so Pegel.

Dr. Fabio Longo, Vizepräsident von EUROSOLAR ging auf die Bedeutung von Stadtwerken und Regionalversorgern als Motor der Energiewende ein und skizzierte die drohenden Folgen der aktuellen EEG-Reformen. Obwohl alle technischen und wirtschaftlichen Zeichen für einen beschleunigten Ausbau sprächen, trete die Bundesregierung massiv auf die Bremse. Damit würden die vielfältigen Akteure, allen voran Stadtwerke und Kommunen, in ihrem Engagement beim Ausbau der Erneuerbaren stark ausgebremst. Daher stelle sich die Frage, so Dr. Longo, wer eigentlich die Interessen kleiner und mittlerer Stadtwerke wirksam vertrete. Mit dem von EUROSOLAR erarbeiteten Konzept einer Neuen Energiemarktordnung warb er dafür, die Rahmenbedingungen konsequent auf Stadtwerke, Kommunen, Mittelstand und Bürgergesellschaften auszurichten.

Im Anschluss diskutierten Christian Pegel, Dr. Longo und Prof. Dr. Leprich die neue Rolle von Stadtwerken in einer dezentralen Energiewelt und tauschten Einschätzungen zu den Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus. Daran schloss sich der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Leprich zur Transformation des Energiesystems an. Darin machte er deutlich, dass die Definition der jeweiligen Systemgrenzen entscheidend für die Beantwortung der relevanten Zukunftsfragen sei. Auf kommunaler Ebene stellte er dabei mehrere Aspekte heraus, die in Zukunft und im Rahmen einer dezentralen Energiewende an Bedeutung gewinnen würden, z.B. virtuelle Kraftwerke, Vertriebskonzepte und die Herausforderungen der Sektorenkopplung.

Der Themenblock „Konvergenz der Energiemärkte: Fokus Wärmewende“ wurde durch spannende Präsentationen zum Potential von solarthermischen Anlagen und deren Einspeisung in kommunale Wärmenetze geprägt. Dabei wurden sowohl grundsätzliche Fragen der Strategie von Kommunen und Stadtwerken bis zu konkreten Projekten erörtert und durch die Diskussion der Potentiale und Hemmnisse von Power-to-Heat-Technologien ergänzt.

Die „Kontinuität beim Ausbau Erneuerbarer Energien mit Fokus auf Akzeptanz und Beteiligung“ gab den thematischen Rahmen für die Vorträge vor, die sich mit den aktuellen Rahmenbedingungen sowie beispielhaften Projekten befassten, die geeignet sind, die notwendige Akzeptanz für Energiewendemaßnahmen aktiv aufzubauen.

Dienstag, 10. Mai 2016

Der zweite Konferenztag begann mit einem Überblick über den Status quo der Energiewende in Ostdeutschland und Pfaden sowie Beispielen für die lokale und kommunale Energiewende sowie einem Appell, Projekterfahrung zu teilen und verfügbar zu machen. Mit Beiträgen zur dezentralen Erzeugung von Strom und Wärme anhand von KWK und Geothermie wurden weitere Bausteine eines zukünftigen Energiesystems angesprochen und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Erzeugungsformen diskutiert. So konnte die eine oder andere Barriere zwischen den Befürwortern der Solarthermie und der KWK zumindest verkleinert werden. Uwe Welteke-Fabricius zeigte in seinem Beitrag etwa, wie auf Basis des aktuellen KWKG eine auf Flexibilität orientierte Auslegung der KWK nicht nur die Versorgungssicherheit im Wärmebedarf sicherstellen könne, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich und in Kombination mit weiteren Erzeugungsformen umgesetzt werden könne.

web Foto WEMAG Stephan Rudolph Kramer OO9A2620

Im anschließenden Forum zeigten Martin Rühl (Stadtwerke Wolfhagen), Dr. Alfred Kruse (Stadtwerke Burg bei Magdeburg) sowie Arne Jan Hinz (Stadtwerke Schwäbisch Hall) anhand konkreter Projekte, wie erfolgreich eine konsequente Orientierung auf eine kommunale Energiewende funktionieren kann. Als größtes Hindernis auf dem angestrebten Weg zu einer vollständigen Versorgung mit Erneuerbaren Energien wurde übereinstimmend betont, dass es an langfristig verlässlichen und auf die relevanten Akteure abgestimmten Rahmenbedingungen fehle, die eine dezentrale Energiewende konsequent befördern statt zahlreiche Hindernisse aufzubauen.

Mit dem abschließenden Themenblock zur kommunalen Mobilitätswende schloss sich der Themenkreis des zukünftigen, sektorenübergreifenden Energiesystems. Dr. Weert Canzler adressierte die entscheidenden Problemstellungen für eine Mobilitätswende in der Politik und forderte eine grundsätzliche Neujustierung der Perspektive, weg von der Zentrierung auf das private Automobil und hin zu intermodalen Mobilitätslösungen. Um diese Entwicklung zu befördern seien aktuell die Bereiche Flottenmanagement, Transport und Logistik sowie ÖPNV und Tourismus besonderes vielversprechend. Hauke Hinrichs stellte in der Folge Best-Practice Projekte vor und thematisierte Fallstricke und unerwartete Komplikationen, die sich aus bisherigen Projekterfahrungen ergaben, etwa bei der Einbindung elektrisierter Busflotten und deren Auswirkungen auf das Stromnetz.

Pressemitteilung vom 10. Mai 2016